KlinikClowns.de - Interview mit "Prof. Baldur Bommel"

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Klinikclown zu sein ist für viele ein Wunschtraum. Wir erhalten häufig Anrufe von Menschen, die gerne bei uns arbeiten möchten, sich aber nicht sicher sind, ob ihre Voraussetzungen reichen. Für uns ist eine künstlerische Vorbildung essentiell, vor allem Improvisationsfähigkeiten stehen dabei im Vordergrund. Gleichzeitig erfordert der Beruf aber auch eine besondere Sensibilität. Wir werden hier in unregelmäßigen Abständen Interviews mit unseren Clowns vorstellen.

Prof. Bommel, wie sieht deine künstlerische Laufbahn aus?

Ich habe meine Ausbildung zum Schauspieler an der Hochschule für Musik und Theater in Hannover gemacht, ich spiele viel und gerne Theater und meine Stimme wird vielen aus Film und Fernsehen bekannt sein, denn ich bin auch als Synchronsprecher vielbeschäftigt. Neben Kinderstücken für die Musikhörstunde in Münchner Grundschulen und szenischen Lesungen mit Musik habe ich eine neuen Leidenschaft entdeckt: ich bin seit Anfang des Jahres auch der Klinikclown Prof. Baldur Bommel. Eine wundervolle Aufgabe!

Was bedeutet Clown sein für dich?

Clown sein bedeutet für mich, Menschen offen und vorurteilsfrei zu begegnen, sich immer neu und wach auf die Situationen, die wir vorfinden einzustellen, Spielangebote zu erkennen, aufzugreifen und zu nutzen. Das zeigt schon: wir Clowns haben kein festes Programm, das wir immer wieder spielen. Paarweise gehen wir in die Einrichtungen, klopfen an die Zimmertüren und fragen, ob wir eintreten dürfen. Zumeist schauen wir in strahlende Gesichter: endlich ein Besuch, der nichts will; keine Untersuchung, keine Spritze, kein besorgtes Gesicht, nur ein Augenblick der persönlichen Zuwendung, der Freude. Man kann mit uns spielen, uns herumkommandieren, ja, auch rauswerfen und wieder reinkommen lassen. Wir sind offen für alles, für jede Emotion, die wir im Zimmer vorfinden.

Erzähl doch mal ein bisschen aus dem KlinikClowns-Alltag

Ich denke da zum Beispiel an das 4-jährige behinderte Mädchen Marie, das wir mit seiner Mutter antreffen. Unser erster Besuch bei den beiden. Marie ist unruhig und unkonzentriert und für meine Kollegin Pepina und mich schwer zu erreichen. Aber die Mutter ist glücklich über unseren Besuch, der eine Abwechslung in ihrem Leben voll Sorge um ihre kleine Tochter ist. Regelmäßige Krankenhausbesuche mit Marie sind ihr Alltag. Als wir uns verabschieden, umarmt sie mich dankbar und weinend. Bei unserem nächsten Besuch eine Woche später freuen wir uns sehr: Marie scheint uns wiederzuerkennen, sie strahlt mich an, will mir meine Mütze mit dem Bommel vom Kopf ziehen, wagt auf ihren unsicheren Beinen ein Tänzchen mit Pepina, das ich auf meiner kleinen grünen Mundharmonika musikalisch begleite. Eine gelöste heitere Stimmung herrscht in dem Zimmer, und diesmal sind es Tränen der Freude, die in den Augen der Mutter aufblitzen.
Im nächsten Zimmer geht es dann bei drei 12-jährigen Mädchen richtig turbulent zu: So ein dreistündiger Einsatz als Clown konfrontiert uns in fliegendem Wechsel mit ganz unterschiedlichen Kindern: kleinen, großen, ruhigen, schüchternen, aufgekratzten, traurigen, heiteren... hinter jeder Tür wartet eine Überraschung auf die Clowns. Und wie schön, wenn sich beim Personal einer Intensivstation wie ein Lauffeuer die Nachricht verbreitet, dass der kleine Friedrich gelacht hat; und noch schöner, wenn nach unserem Besuch die Ärztin mal eine Untersuchung machen kann, bei der der kleine Patient nicht gleich in Tränen ausbricht.

Wie kann man sich einen Besuch im Seniorenheim vorstellen?

Im Seniorenheim sind wir Clowns gerngesehene Besucher. Wir haben ein offenes Ohr für die kleinen Sorgen und Probleme des Alltags, die bei unseren Besuchen oft durch ein Lachen verscheucht werden. Bewohnerinnen mit Demenz freuen sich, in uns geduldige Zuhörer für ihre oft unverständlichen Geschichten zu haben. Phantasiesprachen sind ja kein Problem für Clowns. Gemeinsam singen wir von Ukulele oder Akkordeon begleitet die Lieder ihrer Jugend. Und wir sind oft erstaunt, daß Menschen, die sich nicht mehr klar artikulieren können, dennoch alle Strophen von „Am Brunnen vor dem Tore" fehlerfrei, klar und verständlich mitsingen. Wir erreichen bettlägrige Bewohner, die sich nicht mehr bewegen können, uns aber mit strahlenden Augen zeigen, daß wir willkommen sind. Manchmal sitzen wir an Betten bei Senioren, halten die Hand, atmen gemeinsam, erzählen mit leiser, ruhiger Stimme Geschichten, summen Lieder und sind gerührt und dankbar, wenn beim Abschied eine Hand vorsichtig und mühsam unter der Bettdecke vorgeschoben wird, um uns zu winken – und das von einer Dame, die sich seit Wochen nicht mehr von alleine bewegt hat. Ein Erlebnis von vielen, das mich tief und nachhaltig berührt hat. Was für ein Glück, dass ich ein Klinikclown sein darf.

Prof. Baldur Bommel alias Claus-Peter Damitz

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